Rheumatisches Fieber (RF) als Folge von Streptokokken-Infektionen gilt als die Hauptursache für Herzklappenfehler in Entwicklungsländern und als verantwortlich für jährlich bis zu 400.000 Todesfälle weltweit, vor allem von Kindern und jungen Erwachsenen. Es wird geschätzt, dass RF derzeit mindestens 12 Millionen Menschen betrifft - davon 2 Millionen mit der dringenden Notwendigkeit wiederholter klinischer Behandlung und 1 Million, für die eine Herzoperation oft unerschwinglich ist. Man schätzt, daß dieser Zustand mindestens noch 20 weitere Jahre bestehen wird. Durch Armut und hohe Bevölkerungsdichte befördert, kann dies als ein akutes gesellschaftliches Gesundheitsproblem in den Entwicklungsländern bezeichnet werden. Die dringende Notwendigkeit für vorbeugende Maßnahmen ist also gegeben.
Der geographische Gürtel von RF und der rheumatischen Karditis erstreckt sich über einige lateinamerikanischen Länder, Südost-Asien, durch die Maghreb-Länder, einige afrikanische Länder, und den Nahen Osten. Die Häufigkeitsrate von RF liegt in Europa bei nur 2 Fällen pro 100.000 Einwohner, während sie in den Entwicklungsländern zwischen 50 und 200 Fällen variiert. Mit den wenigen dort vorhandenen Präventionsmaßnahmen, bleibt bei dieser Entwicklung schließlich am Ende nur eine Herzchirurgie als Ausweg.
Konfrontiert mit einer Situation von sehr jungen Patienten, Antikoa-gulationsproblemen, schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einer möglichen begrenzten Haltbarkeit von Bioprothesen, verwendeten einige OP-Teams erstmals Perikard zur Verländerung der Klappensegel als Alternative zu Prothesen. Die Entwicklung neuer Operationstechniken mit Einsatz einer Trikuspidalklappe erweckten das Interesse an der Aortenklappenrekonstruktion, die nach gängiger Meinung ein Komplettrekonstruktion sein sollte.
Eine Herausforderung blieb jedoch die Reproduzierbarkeit dieser Technik.
Aus diesem Grund entwickelten Professor Wajih Maazouzi und sein Team mit GEISTER ein neues Instrument, den Maazouzi™ Aortenplastik-Sizer (APS™), um die Schwierigkeiten bei der Anfertigung und Einfügung einer neuen Aortenklappe aus autologen Perikard zu überwinden. Alle Krankheitsfälle und jede Annulus-Größe sollte, so der Wunsch der Chirurgen, damit abgedeckt werden können. Mit dem Maazouzi APS™ System kann die stentfreie Klappe, ein Autograft aus patienteneigenem Perikard, sowohl einfachst konfektioniert als auch eingeführt werden. Das System besteht aus einem Halter, 3 Stempeln und einer Matrix als Gegenhalter. Es ist in den sieben Größen 19-31mm für Erwachsene und in den Größen 11-17mm für Kinder lieferbar. Die transparenten Teile sind mit einer weißen Linie versehen, die die richtige Position markiert, wenn das Perikardgewebe zwischen der Matrix und den Stempeln eingeführt wird.
Während die Entwicklung des Systems eine Reaktion auf die Schwierigkeiten der Herzchirurgen war, eine extemporierte Perikardklappe zu fertigen, wurde dessen Entwicklung auch aus sozio-ökonomischen Interesse weiter vorangetrieben, um damit die Kosten der Herzklappenchirurgie zu senken und den Kauf einer mechanischen oder biologischen Prothese zu vermeiden, die in manchen Regionen 25% bis 35% der Gesamtkosten der Operation ausmacht. Regionen, in denen RF
weit verbreitet ist, haben auch die wirtschaftlich am meisten
benachteiligte Bevölkerung und damit die ärmsten Patienten, für die eine Operation das 25 bis 75-fache des Mindestlohns kostet.
Darüberhinaus hofft man mit dem System aber auch dazu beizutragen, die Qualität und die Ergebnisse der Klappenchirurgie zu verbessern, da ja patienteneigenes Gewebe (Autotransplantat) verwendet wird, das organischen Ursprungs ist, deswegen vom Körpper erkannt und nicht abgestossen wird. Dadurch kann den Patienten eine lebenslange Antikoagulansbehandlung erspart und monatliche
Überwachungs- und Blutuntersuchungen vermieden werden.
